Mutter Erde keineswegs entzückt

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Mutter Erde ist groß oder eher klein,
wohin des Wegs einfacher Mann?
Am Ende stehst du allein,
weil Mensch nicht anders kann.

Mutter Erde hat genug zu geben,
manche wollen Reichtümer häufen.
Am Ende bleibt nicht viel vom Leben,
weil Menschen in Armut ersäufen.

Mutter Erde dreht sich nicht allein durchs All,
manch schlaue Geister suchen allerorten.
Am Ende nichts gelöst so Knall auf Fall,
weil Menschen ratlos sich verlier’n in Worten.

Mutter Erde glänzt durch viel Geduld,
manch Krieg und Elend hat gesehen.
Am Ende gibt jeder sich die Schuld,
weil unfaßbar all dies bösartige Geschehen.

Mutter Erde wünscht sich endlich Frieden,
wohin mag der kleine Mann noch fliehen?
Am Ende haben die Götter Menschen gemieden,
weil sie all die Zerstörung nicht verziehen!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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G20-Gipfel: Vorprogrammierte Gewalt bei „Welcome to Hell“

Friedliche Proteste im Schatten von Randale und Polizeigewalt

Stets gleichen sich die Bilder von Ausschreitungen brutaler Gewalt auf beiden Seiten, man kennt dies seit Jahrzehnten, als gegen Ende der 1960iger Jahre Studenten auf die Straßen gingen, auch damals die Polizei keineswegs zimperlich auf alles eindrosch, was sich bewegte.

Mit den Jahren lernten alle von einander hinzu, wie wichtig letztlich die Meinungsfreiheit und somit Demos tatsächlich sind. Nur Ausschreitungen kann kein Staat dulden, wenn Steine geworfen werden, Autos, Mülltonnen angezündet oder Schaufenster eingeschmissen werden. Auch vor Beginn des G20-Gipfels, wo zahlreiche friedliche oder gar kreative Proteste stattfanden, entlädt sich im Schatten von Randale und Polizeigewalt gestern abend zur Demo „Welcome to Hell“ die beidseitige Frustration. Mit etlichen Opfern.

Schwarzer Block kann tanzende Sambagruppe nicht verhindern

Kann man der Polizeistrategie unterstellen, ganz gezielt die Konfrontation gesucht zu haben? Auf alle Fälle, gleichwohl aber ebenso der Schwarze Block, der sich sichtbar unter die rund 12.000 Demonstranten mischte, vorneweg ging, die Polizei zählt an die 1.000, andere Quellen wesentlich weniger. Nach bereits 200 Metern stoppt der Zug, eine mit Wasserwerfern und Pfefferspray bewaffnete Polizeimacht greift hart durch, sprengt den Block auseinander, ebenso friedliche Demonstranten geraten in Mitleidenschaft.

Das wußten alle, die sich dort hinbegeben hatten. Ein unbeachtetes Vermummungsverbot, welchem der Schwarze Block erwartungsgemäßig nicht folgte, liefert den nötigen Anlaß und die Rechtfertigung für die Staatsmacht, mit jener Härte durchzugreifen. Dennoch fanden sich nach den heftigen Auseinandersetzungen neue Demonstranten zusammen, eine Sambagruppe tanzt, Musik erklingt aus Lautsprechern, die Menge klatscht ausgelassen friedlich. Auch zur Freude der Polizisten, die den neuen Zug auf der alten, genehmigten Route begleiten. Erst als die Demo die Rote Flora im Schanzenviertel erreicht, folgen erneute Ausschreitungen.

Ausnahmezustand in vollem Gange

Dieser G20-Gipfel in Hamburg scheint an Sinnlosigkeit kaum mehr zu toppen zu sein. Von den enormen Kosten und Sicherheitsvorkehrungen mal ganz abgesehen, darf man die Wut und Proteste durchaus verstehen, bewußt initiierte Gewalt auf beiden Seiten mitnichten. Jetzt ist der Ausnahmezustand in vollem Gange, obwohl die Gipfelteilnehmer gut abgeschottet ihre Treffen abhalten.

Viel Medienrummel ob der eingetroffenen Politik-Prominenz kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß dieser G20-Gipfel keinerlei durchgreifende Lösungen oder gar Einigungen herbeiführt. Letztendlich verselbständigen sich politische Entscheidungen an anderen Stellen, verändert sich das Gesicht der Welt in erschreckend schnellen Zügen, wobei die Fratze des Raubtierkapitalismus sämtliche Register zieht, um ihre Macht und Ausbeutung aufrecht zu erhalten.

Anstatt eine tatsächlich gerechte Umverteilung zu veranlassen, setzt die Weltpolitik weiterhin auf Krieg und Elend, Umweltzerstörung und Raubbau der letzten Ressourcen. Nicht der Mensch oder der Erhalt von Mutter Erde zählen, sondern Reichtum für wenige verbunden mit ewiglichen Wachstum.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Proteste und Widerstände

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Neue Inspirationen

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Mit der großen Schere in der Hand
schneid ich Gestalten aus der Wand,
schneid ab alle alten langen Zöpfe,
mit Hörnern geschmückte Köpfe.

Schere fliegt eilig durch die Lüfte,
Horn an Horn gerieben, verbreitet Düfte
nach zerriebenen Borsten, Haaren,
es wird gespürt, geprüft, erfahren.

Zöpfe liegen verstreut auf dem Boden,
bei den Hörnern durfte ich mich austoben.
Das Werk getan, die Schere stumpf,
an der Wand kein Schatten, kein Triumph.

Die Welt scheint völlig sinnentleert,
kein Treiben Freude mehr beschert.
Alte Zöpfe nicht mehr da, einfach weg,
für Hornspäne kein Verwendungszweck.

Stumpf die Gier, der Geist, die Schere,
ach, wenn es so wie einstmals wäre!
Mit der großen Schere in der Hand
schnitz ich Gestalten in die Wand.

Fremde Wesen zeigen ihre Gesichter,
ihre Körper, ihre Mimik, ihre Geschwister.
Sie wirken kraftlos, still, leblos, allein,
soll ich sie erwecken, bei ihnen sein?

Nach Stunden der Unschlüssigkeit,
schaben, kratzen, polieren, ist es soweit,
sie bewegen sich, reden, sind voll Neugier,
neue Inspirationen teilen ihr Leben mit mir.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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G20-Gipfel: 1000 Gestalten in Hamburg unterwegs

© Christian Angl

Sie entern lehmgrauverschmiert die Stadt

Weder sind irgendwelche Zombies aus einem Science-Fiction-Film entfleucht, noch konnten sich die „1.000 Gestalten“ gerade rechtzeitig vor einem Vulkanascheregen retten, um die erstaunten Hamburger und deren Gäste während der Zeit vor dem G20-Gipfel anzumahnen, sondern der gemeinnützige Kulturverein „NEU am See“ rief die Aktion „1000 Gestalten entern die Stadt“ ins Leben.

Wie im Text unzweifelhaft nachgelesen werden kann, bewegen sich jene mit Lehm überzogenen Gestalten unangreifbar, ausdruckslos voran, dabei klackende Geräusche von sich gebend, die per gewölbten Blech in einer Hand ausgelöst werden. Assoziationen von aneinanderschlagenden Knochen mögen durchaus so gewollt sein.

© Christian Angl

Höhepunkt einer eindrucksvollen Kunstperformance

Das Finale findet in Hamburg Mitte auf dem Burchardplatz statt, wo normalerweise einmal wöchentlich der Wochenmarkt seine Waren feil bietet, die 1.000 Gestalten schreiten durchs Chilehaus, klackend, schweigend, der Platz ist bereits voller Erwartung gefüllt mit vielen Zuschauern, einer Schar Pressevertreter.

Zum Höhepunkt, dem Finale, bewegt sich die Masse mitten auf den Platz. Vereinzelte Schreie durchdringen das bisherige Schweigen, erste Personen lassen die lehmverschmierte Kleidung fallen, umarmen sich gegenseitig, der Beginn der Transformation, wie das Kollektiv die Performance auch beschrieben hat, die Menschlichkeit kehrt zurück, der individuelle Ausdruck.

© Christian Angl

Der wichtige Hinweis lautet: Keine Veränderung, die von oben geleitet stattfinden darf, sondern jeder Einzelne hat es selbst in der Hand. Solidarität, Toleranz und ein konstruktiver Diskurs kann nur die richtige Lösung sein. Welch tolle und wichtige Aktion und Botschaft, die gerade diesen G20-Gipfel damit kreativ ermahnen möchte.

Ein friedlicher Protest ohne Polizei und Randale

Genau das wollten wohl die Initiatoren dieser Kunstaktion vermitteln. Schlimm genug, daß dieser G20-Gipfel begleitet wird von einer eindimensionalen Richtung, Donald Trump gegen den Rest der Teilnehmer, vergessen wir nicht, daß dieser US-Präsident die größte jemals in der Menschheitsgeschichte getroffene Vereinbarung, das Pariser Klimaabkommen, ablehnt und die USA damit letztlich isoliert.

Dramatisch genug, wenn schon in zwei Tagen der Ausnahmezustand die Hansestadt belastet, friedliche Proteste bereits im Vorfeld seitens der Polizei höchst fragwürdig gewalttätig behandelt wurden, denkt man an das per Verwaltungsgericht genehmigte Protest-Camp im Elbpark Entenwerder, welches die Staatsmacht widerrechtlich stürmte und somit den weiteren Aufbau sowie eine Übernachtung dort verhinderte.

Jedoch entschied nunmehr das Oberverwaltungsgericht, daß 300 Zelte sowie ein Küche und Duschen aufgebaut werden dürfen zwecks Übernachtung in Entenwerder. Last but not least setzten sich die Demonstrantenn durch, wie es weiter geht, wird sich in den nächsten Tagen zeigen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Proteste und Widerstände

 

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Lärm in der Nacht

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Ich hab sie gehört, die Elefanten,
sie trampeln, trampeln, trampeln
durch die ganze Nacht,
aber niemand ist aufgewacht.

Ich hab sie gehört, die Trompeten,
sie tröten, sie tröten, sie tröten
eine ganze Nacht lang,
keinem wurde kalt, heiß und bang.

Ich hab sie gehört, die Stimmen,
sie singen, singen, singen,
mitten in der Nacht, leise,
laut, auf ihre eigene Weise.

Ich habe es gehört, den Lärm,
aus der Nähe, aus der Fern,
hunderte Nächte, vielleicht länger,
sie kamen, zu schützen die Lämmer.

Ich habe sie gerufen zur Hilfe,
sie kamen, sie kamen, sie kamen,
jede Nacht zu schützen meine Kinder,
sie sind Hüter aller Wesenskinder.

Ich habe sie gerufen, die Hirten,
sie sind viele, viele, viele,
die nachts aber auch tags
hüten der Geliebten Tat und Schlaf.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Zucker: Schädlicher Isoglucose aus den USA auf dem Vormarsch

EU genehmigt einfach den gefährlichen Industriezucker

Eigentlich sollte sich längst herumgesprochen haben, daß sowohl die Wirtschaft als auch die verantwortliche Politik sich nicht im geringsten um das Wohl der Bevölkerung scheren, ganz im Gegenteil sehr viele gesundheitliche Risiken in Kauf genommen werden. Die Liste schädlicher Stoffe vergrößert sich täglich, während ganze Industriezweige davon profitieren.

Eine anhaltend korrupte Gesellschaft läßt solche kriminellen Handlungen zu, ohne daß eine entscheidende Verbesserung sich einstellen kann, obwohl etliche Widerstände initiiert wurden, sehr selten sogar mit Erfolg. Der billige, künstlich hergestellte Industriezucker Isoglucose wurde seitens der EU einfach genehmigt, Brüssel agierte wohl eher im Stillen, Beschränkungen wurden offensichtlich aufgehoben. Kommt ein derartiges Verhalten uns nicht bekannt vor, denkt man ans TTIP?

Mit gentechnischem Mais versetzt obwohl in Deutschland unzulässig

Was nutzen all die Verbote und Bestimmungen, die europäische und vor allem deutsche gentechnische Lebensmittel vermeiden wollen, wenn duch die Hintertür Konzerne dennoch nach Gutdünken schalten und walten dürfen? Immer mehr Verbraucher meiden den normalen Industriezucker, selbst Dextro Energy stand im Fokus der Kritik, ein Grund mehr die Vebraucher erst recht zu täuschen?

Ganz offensichtlich, mit freundlicher, selbstgefälliger Unterstützung seitens der EU. Vor knapp zwei Jahren wies Frontal 21 auf die lauernden, gesundheitsschädlichen Gefahren vom Isoclucose-Sirup hin, bemängelte die Haltung Brüssels.

Nicht nur vom Genmais gehen erhebliche Gefahren aus, sondern unser Gehirn reagiert auf die Botenstoffe der Monosaccharide im Maissirup, schaltet somit den Sättigungseffekt aus. Beim normalen Zucker wirkt dieser durch die Polysaccharide wenigstens noch. Das wurde in den USA inzwischen längst erkannt, die Ergebnisse einer zugenommenen Fettleibigkeit veranschaulichten diese Effekte. Obendrein führt Fructoseintoleramz zu Blähungen, Bauchkrämpfen, Durchfall, Kopfschmerzen und Übelkeit.

Welche Möglichkeiten hat der Verbraucher, sich vor Isoglucose zu schützen?

Vermeiden Sie sämtliche Eiscremes, Fertigsaucen oder -salate, Fruchtjoghurts, Milchreis, Puddings, Eiscremes, Kekse, Ketchup, Kuchen, Obstkonserven etc., lesen Sie ganz genau die Angaben der Inhaltsstoffe durch. Auch wenn bereits weit über 70 unterschiedliche Bezeichnungen für Zuckerarten die Lebensmittelindustrie parat hat, wie z.B. Glukosesirup, karamellisierter Zucker, Lukose-Fruktose-Sirup, Magermilchpulver, Maltodextrin, Milchzucker, Molkenerzeugnis, Süßmolkenpulver und gezuckerte Kondens-milch, Vollmichpulver, am besten und wirkungsvollsten, die oben genannten Produkte meiden, das wäre der sicherste Weg.

Ansonsten bleibt dem aufmerksamen Verbraucher nichts anderes übrig, als möglichst wenig derartige Lebensmittel zu konsumieren. Obendrein beginnt vielleicht eine größere Aufmerksamkeit sich durchzusetzen, bevor diese Lebensmittelindustrie noch mehr gesundheitsschädliche Produkte den Menschen zumutet.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Verbraucherschutz

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Abzüglich der Anzüglichkeiten

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Bitte um Korrektur des Textes, damit er abzüglich der Anzüglichkeiten klar verständlich von jedem Leser verstanden werden kann:

Der Richter stand, vornübergebeugt, mit heruntergelassener Hose seitlich des Richterpultes vor dem Fenster und fingerte oberhalb seiner Schenkel mit geschäftigen flinken Bewegungen, die durch den halb hochgeschlagenen Talar zu erkennen waren, an sich herum. So jedenfalls beschrieben es die ersten Zeugen, die den Gerichtssaal betraten, um an der Gerichtsverhandlung als Zuhörer teilzunehmen. Da auch Kinder anwesend waren, denen allerdings sofort mit Händen die Augen geschützt wurden vor diesem Anblick, aber niemand konnte später sagen, wie schnell die Reaktionen waren, es könnte nicht mit Sicherheit gesagt werden, was die Kinder schon gesehen hätten, als sie in dem Tumult, der durch den Schrei einer Frau ausgelöst worden war, hinausgeführt wurden, war dieses Geschehen sogar in den Abendnachrichten gemeldet worden.

Obwohl es sofort, nachdem Sicherheitskräfte, die gerufen worden waren, um die aufgeregte Menge zu beruhigen, eine einfache Erklärung gab, die eindeutig keine anrüchige Handlungsweise des Richters darstellte, kam es dennoch zu einer Anklage, die angeheizt von dem örtlichen Verein zur kulturellen Aufklärung der Lebensweise des Menschen, wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, die seit Anbeginn der Menschheit erwiesenen Wertevorstellungen aufzuzeigen, so daß sämtliche Journalisten in der kleinen Stadt die Hotelzimmer schon Tage vorher belegten. Und nicht nur die Hotels waren ausgebucht, es gab keinen freien Raum in der ganzen Stadt, der nicht vermietet worden wäre. Sogar Garagen, Schuppen, Baumhäuser dienten der Unterbringung für Nachrichtensprecher und ihr Gefolge, für Reporter, für Personen, die sich als Zeitungsschreiber ausgaben, für Photographen, Autoren, es hatte den Anschein, die Hälfte der Bevölkerung des Landes würde einem Beruf zur Wahrung der Meinungsfreiheit nachgehen.

An den unterschiedlichsten Orten gingen, liefen, rannten, schlenderten, eilten, spazierten mit Rucksäcken, Taschen ausgestattete Männer und Frauen durch die Straßen und befragten die Anwohner, lichteten Personen, Plätze, Tiere, egal ob Haustier oder die Enten im Park ab. Dabei kam es immer wieder zu tumultartigen Zusammenkünften, wenn ein auskunftswilliger Bewohner den freundlich, neugierig blickenden Umstehenden, die als verwerflich dargestellte Handlung des Richters in aller Ausführlichkeit vorführten. Manche bezeichneten sich als Künstler, manche als die Tat direkt Miterlebten, manche als bestens informierte Eingeweihte durch den Richter selbst oder seinen Angehörigen, entfernten Verwandten, die natürlich aus erster Quelle genauestens den richtigen Tathergang theatralisch zeigen konnten. So konnten Durchreisende, vor allen Dingen jene, denen bis jetzt die Sachlage fremd war, in den Straßen Personen sehen, die entweder mit Umhang oder ohne, in einer gebeugten Haltung, die Knie leicht durchgedrückt, in Körperhöhe des beginnenden Unterleibes fuchtelnde Bewegungen machten, erblicken. Dies führte zu vermehrten Auffahrunfällen, sodaß sich die Stadtverwaltung zu den zusätzlich um Hilfe gerufenen Polizisten aus anderen Verwaltungsbezirken, nunmehr auch Freiwillige extra angefordert worden waren, um die allgemeine Ordnung aufrecht zu erhalten.

Einige Tage vor dem Prozeß gab es zusätzlich zu den laufenden Fernsehprogrammen, die der Unterhaltung dienten, Sendungen, in denen Menschen in Wettbewerbsmanier und angefeuert durch das Publikum im Studio und in den heimischen Fernsehsesseln, sich darum bemühten, entweder mit der größten Geschwindigkeit oder mit der besten Lösung wetteiferten, um sich ein kleines Preisgeld zu verdienen, indem sie des Richters Haltung nachahmten. Manche ließen sich sogar die Augen verbinden und galten deshalb als ziemlich verwegene Typen, denen ein Zeitungsartikel über ihre Person mit Photo und ein groß aufgemachter Bericht über ihre Hobbys oder ihre Familie sicher waren.

In all dieser Zeit, eigentlich noch am selben Tag des Geschehens der Mißgeschicklichkeit des Richters, war bereits jedem bekannt, was Richter B. W. zu dieser Körperhaltung veranlaßte. Aber dies interessierte niemanden. Er hatte, als er den Talar übergezogen hatte, festgestellt, daß der Reißverschluß seiner Hose defekt war. Da er davon ausging, verspätet zu sein, weil er keinen mehr im Zimmer angetroffen hatte, das dafür diente, die Talare aufzubewahren und letzte Gespräche vor Verhandlungen zu führen, die nicht alle dem Zweck dienlich waren, sich auf den folgenden Prozeß einzustimmen, stürmte er abgehetzt in den Gerichtssaal. Als er seinen Irrtum bemerkte, es blieb ihm noch eine Viertelstunde bis zur Eröffnung des anstehenden Verfahrens, nutzte er die Zeit, um den Defekt an seinem Reißverschluß genauer zu besehen. Ein kleines Stück Stoff der Hose hatte sich verfangen und als er gerade durch Ziehen und Reißen den Reißverschluß vom Stoff befreien wollte, ging die Türe auf. Der Rest ist bekannt und Geschichte.

Anbei Text zurück. Abzüglich der Anzüglichkeiten, für jeden Leser verständlich.

Richter bemerkt defekten Reißverschluß kurz vor Sitzungsbeginn, da er vermeintlich noch genügend Zeit zur Reparatur hat, bemüht er sich im leeren Gerichtssaal den festgezurrten Stoff aus dem Reißverschluß durch Zerren, herauszuziehen. Die ansonsten noch verschlossene Verhandlungstür wurde durch ungeduldige Zuhörer des Prozeßes geöffnet, die ihn in seiner mißlichen Lage vorfanden.

Theo, weißt du was? Abzüglich Anzüglichkeiten wird der Text nicht besser. Schick einfach nächstens nicht wieder eine deiner neuen Flammen zu einem Gerichtstermin, die dir ihr Schreibtalent beweisen möchte, indem sie aus einer langweiligen Verhandlung über das Parken auf nicht erlaubten Flächen zweideutige Wortspielereien erfindet.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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