Das Loch in der Wand

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Es ist wirklich immer wieder sehr erstaunlich,
für manche lebensnotwendig, extrem erbaulich,
welch Wissen sie über andere Leute besitzen,
da hörst du, der kommt niemals ins Schwitzen,
er ist ein Faulenzer, arbeitet überhaupt nicht,
Taugenichts, verneinst du es, gilt es auch für dich.

Sie kennen andere in- und auswendig,
führen Buch, denen ist nie langweilig.
Die Kinder hatten im August Fieber,
da waren sie nachts auf einer Party, lieber.
Notiert ist Drogen- Alkoholkonsum,
säuft wie ein Roß, kippt als Letzter um.

Ins Taschentuch wird bei Filmen geschnäuzt,
bei jeder Kleinigkeit die Kinder angeschnauzt.
Der Beginn der Monatsblutung ist ihnen bekannt,
woher seine Vorliebe beim Sexualverkehr stammt.
Ständig sei der andere am Jammern, lebt im Chaos,
lieb gemeinte Worte verhallen, sie wollen Geld bloß.

Das Leben, das andere führen, ist penibel dokumentiert,
es ähnelt überhaupt nicht dem, was wirklich passiert.
Wen interessiert ein normales Leben, das ist irrelevant,
wer selbst keines führt, der bohrt ein Loch in die Wand.
Das bringt Abwechslung in seine eigene Lebenstristesse,
andere gesellschaftlich ruinieren, auch sein Interesse.

Größtenteils bösartige Storys ersinnen Wandlochgucker,
buhlen um Aufmerksamkeit, sind dennoch arme Schlucker.
Selbst der Todestag ist bekannt, das Loch irrt sich nie,
er tanzt mit Tutu, sie trägt keinen Slip, er fährt nackt Ski,
sind möglicherweise eigene Sehnsüchte, Leidenschaften,
durch das Loch in der Wand kann man sie anderen anlasten.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Hartz IV: Bundespolitik läßt Betroffene im Stich

Neben alltäglicher Hetze folgen immer mehr Bedrohungen

Behörden haben durchaus etwas Bevormundendes, durch deren Flure weht ein Wind von Autoritätsgehabe, wer nicht über genügend Selbstbewußtsein verfügt, kann schnell straucheln, widerstandslos einiges mit sich machen lassen. Das wird von manchen Mitarbeitern der Jobcenter gern ausgenutzt.

Wer kennt ihn nicht, den Film „Die Welle“, das deutsche sozialpolitische Filmdrama, welches Dennis Gansel in Anlehnung aufs kalifornische Experimet „The Third Wave“ (1967) entstand. Die Essenz des Films: Ein pädagogischer Selbstversuch in einer Schule entwickelt sich zur „Welle“, die ganz ähnliche Strukturen aufweist wie im damaligen Hitler-Deutschland. Zurück zum Hartz-IV-Sozialrassismus, dessen Parallele kaum zu übersehen. Die Bundespolitik läßt Betroffene einfach im Stich, neben alltäglicher Hetze folgen immer mehr Bedrohungen.

Jugendliche ab 15 raus aus der Schule und rein ins Berufsleben?

Jobcenter erlauben sich frechweg, 15-jährige Jugendliche in Bedarfsgemeinschaften schriftlich aufzufordern, sie mögen sich einen Arbeitsplatz suchen oder eine Berufsausbildungsstätte, anstatt weiterführende Schulen zu besuchen. Inwiefern ist hierbei das Gebot der Bildungschancen für alle noch gegeben, wenn diese Behörden sich derartige Bevormundungen erlauben?

Ein Skandal sondergleichen, während die Bundespolitik einfach weiterhin lieber schweigt. Das kennt man doch längst, denken wir an die unfaßbar stillschweigende Duldung von einer Sanktionspraxis, die gar das Existenzminimum untergräbt. Besonders Raffinierte behaupten gar, daß Hartz IV noch längst keines sei. Klar doch, die Vermehrung von Leid kann stets gefördert werden, darin haben Herrschaften genügend Übung seit tausenden von Jahren.

Gesetz zur Online-Überwachung auch von Hartz-IV-Beziehern auf dem Weg?

Kurz vor dem Ende der Legislaturperiode ersann unter Ausschluß der Öffentlichkeit die Große Koalition die Möglichkeit eines Gesetzentwurfes, in dem Online-Durchsuchung und Quellen-Telekommunikationsüberwachung im Strafverfahren angewandt werden dürfe, welches sechs Menschenrechtsorganisationen zurecht anmahnten. Insofern ebenso Hartz-IV-Bezieher ausgeschnüffelt werden können?

Was eigentlich gegen „mittelschwere Kriminalität“ angedacht, entpuppt sich somit als Instrument einer Online-Überwachung von Hartz-IV-Beziehern? Verwundern sollten derartige Erwägungen keineswegs, einer Bundespolitik, die dermaßen kaltschnäuzig Menschen erst recht per Hartz-IV-Gesetze an den Rand der Gesellschaft drängt, dies obendrein als Erfolg feiert, sollte man noch etliche andere Gängelungen zutrauen, wobei Grundrechte mißachtet werden. Mit freundlicher Unterstützung seitens der erschafften Behörden, wo weiterhin teilweise Willkür herrscht.

Mit Blick zur bevorstehenden Bundestagswahl darf sich dann ein wiederkehrendes schwarz-gelbes Regierungsbündnis erfreuen, und es schaut sehr danach aus, seinen neoliberalen Kurs gestärkt fortzusetzen, in dem Hartz-IV-Betroffene ohnehin als Schmarotzer gelten.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Soziales

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Leihen oder borgen – worin liegt der Unterschied?

Geben auf Zeit mit oder ohne Achtsamkeit

Haben Sie jemandem Ihr Ohr geliehen und ihm zugehört? Oder haben Sie jemandem Ihr Ohr geborgt und ihm zugehört? Schätzungsweise haben Sie Ihr Ohr, sprachlich gesehen, geliehen und nicht geborgt! Vielleicht empfinden Sie beide Begriffe als gleichwertig und denken, man sagt halt „Ohr geliehen“ und nicht „Ohr geborgt“, im Grunde ist es dasselbe.

Schließlich haben Sie schon etliche Gegenstände verliehen, geborgt, und hier handelt es sich um den gleichen Begriff. Manche dieser verliehenen, geborgten Gegenstände fanden den Weg wieder zurück zu Ihnen, manche nicht. Bei einigen Ihrer verliehenen, geborgten Gegenstände liegt es nicht immer nur an dem Freund, Bekannten, der den Gegenstand nicht mehr zurückgibt, aus den verschiedensten Gründen. Nein, es kann ohne weiteres auch das eigene Versäumnis, Verschulden sein, weil man vergessen hat, wem man etwas geliehen, geborgt hat.

In dem Wort „borgen“ steckt das Wort „Geborgenheit“. In dem Wort „leihen“ steckt das Wort „Leihe“.

Borgen, althochdeutsch bor[a]gēn, ursprünglich, auf etwas achthaben, jemanden verschonen. Synonyme sind, ausleihen, pumpen, aushelfen, auslehnen.

Geborgenheit, andere Begriffe sind, Abschirmung, Schutz, Obhut, Behütetheit.

Leihen, althochdeutsch līhan, (zurück-, übrig) lassen. Andere Ausdrücke hierfür, aushelfen, erborgen, überlassen, auslegen, anpumpen.

Leihe, andere Begriffe sind, Leihhaus, Pfandleihe, Leihamt.

In der alten Rechtsprechung war ein Leihezwang die Verpflichtung, das Lehen, nach dem Tod eines Lehenträgers wieder neu zu verleihen. Das Lehen, (Grund]besitz, der von einem Fürsten o. Ä. an einen Untergebenen mit der Verpflichtung verliehen wird, dass er dem Lehnsherrn mit persönlichen Leistungen zur Verfügung steht) „Duden“.

Leihen und borgen sind dem Sinn nach Begriffe, um zu erklären, etwas wird auf Zeit gegeben, eine Hilfe für eine Zeitspanne. Keine Bank, kein Geschäftsmann wird Ihnen Geld borgen, Geld wird durch sie verliehen, oder? Das Darlehen ist mit Zinsen behaftet, das Geborgte auch? Es gibt Leihautos, aber Sie borgen sich das Auto vom Nachbar aus, oder? Sind Leiharbeiter geborgte Beschäftigte? Das Leihhaus borgt Ihnen für ein Pfand einen Minimalbetrag oder verleiht das Pfandhaus eher eine Minimalsumme für Ihren hinterlegten Besitz? Verleihen Sie Ihre Bücher oder borgen Sie Freunden, Bekannten Ihre Bücher lieber? Gibt es einen Grund dafür, daß der Werbespruch heißt: Das Getränk verleiht Flügel und nicht, das Getränk borgt Flügel?

Überall verborgene Fragen bezüglich des Gebens auf Zeit? Wissen Sie eine Antwort?

Bedeutet etwas verborgen, daß man davon ausgeht, mit dem Geborgten geht der Empfänger achtsam um? Und besagt verleihen, daß man davon ausgehen kann, daß das Verliehene vom Empfänger nur das Übriggebliebene zurückbekommt? Deshalb quasi nicht mehr den gleichen Wert besitzt, den man verliehen hat?

Wie oft haben Sie jemanden Ihr Ohr geliehen und zugehört, wenn das Gegenüber Hilfe, Zuspruch oder einfach nur jemanden zum Quatschen gebraucht hat? Haben Sie das Gleiche zurückbekommen, wurde Ihnen von dieser Person auch das Ohr geliehen? Ist er achtsam mit Ihren vertraulichen Gedanken umgegangen?

Es gibt einen Unterschied zwischen „borgen“ und „leihen“, und er ist sprachlich nicht ohne Grund entstanden. Beim Borgen setzen wir voraus, daß mit dem Geborgtem achtsam umgegangen wird, beim Leihen hingegen ist eine Unsicherheit vorhanden, ob das Geliehene Achtsamkeit erhält, also nicht pfleglich damit umgegangen wird.

Schön, daß Sie mir Ihr Ohr geborgt haben, indem Sie diesen Text lasen. Oder war Ihr Ohr nur geliehen?

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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Erdogans despotischem Vorgehen muss Einhalt geboten werden

Bisherige diplomatische Zurückhaltung erweist sich eher als Aufforderung

Der Sultan vom Bosporus, der „türkische Pascha“ hat ohnehin schon viel zu lang den Bogen überspannt, alle Welt schaut ihm entsetzt zu, nur zu Konsequenzen führte dessen Regierungsstil keineswegs. Ganz im Gegenteil, die bisherige diplomatische Zurückhaltung erweist sicher eher als Aufforderung, Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan meint vielmehr, dies als Schwäche auslegen zu müssen, die er seit geraumer Zeit für seine Zwecke mißbraucht.

Nicht nur, daß dessen despotischer Kurs skurile Formen annimmt, die Gefängisse füllen sich erschreckend schnell, man darf ruhig berechtigterweise anfragen, wohin jene Zehntausende wohl untergebracht. Gibt es da eventuell heimlich angelegte Katakomben unter seinem abstrusen Präsidentenpalast Ak Saray?

Menschenrechtsaktivisten als potentielle Terroristen verdächtigt

Das Eis für jenen Herrscher in Ankara wird zunehmend dünner, zumal jüngst nach langem „Marsch für Gerechtigkeit“ Kemal Kılıçdaroğlu, der Vorsitzende der CHP, angekündigt hatte, in zwei Jahren zur Wahl antreten zu wollen. Gleichwohl man sich ausrechnen darf, welch Strategien die despotische Regierung sich einfallen lassen könnte, jenen Oppositionellen auszuschalten. Den bösartigen Phantasien sind dabei keine Grenzen gesetzt.

Wer schon nicht davor zurückschreckt, Menschenrechtsaktivisten als potentielle Terroristen zu verdächtigen, weitere sechs Mitglieder am letzten Montag einfach festnimmt, dem sind somit noch andere unhaltbare Verhaftungswellen zuzutrauen. Unter dem Deckmäntelchen eines Terrorverdachts, erst recht nach diesem angeblichen Putsch vom 16. Juli des letzten Jahres, hat sich Erdoğan ein uneingeschränktes Instrumentarium erschaffen, willkürliche Verhaftungen vorzunehmen. Bewundernswert der Mut von Andrew Gardner, weiterhin in der Türkei den Behörden und diesem Regime zu trotzen, zumal er selbst zugibt, eine derartige Verhaftungswelle in keinem anderen Land erlebt zu haben.

Wahlkampfgetöse oder völlig berechtigte Anmahnung an die Kanzerlin?

Angela Merkels bisheriges Wegducken in Sachen des türkischen Despoten stand schon des öfteren zur Diskussion, während die einen ihr das als diplomatisch geschickte Zurückhaltung zugestehen, andere wiederum explizit anmahnen, der Herr Erdoğan nutze dies für seine Belange eiskalt aus. Man erinnere sich an die unverschämten Nazi-Vorwürfe, an den lächerlichen Rechtsstreit gegen Jan Böhmermann oder an die harsche Forderung, in Deutschland öffentlich Wahlkampf machen zu wollen zum Präsidialsystem.

Martin Schulzes Rüge an die Bundeskanzlerin, sie „kann nicht mehr schweigen“, hat durchaus ihre Berechtigung, egal ob man dies als Wahlkampfgetöse nun werten mag oder nicht. Fraglich dabei, wieso die SPD selbst nicht schon lange vorher der Kanzlerin in dieser Hinsicht deutlicher die Leviten las. Inwiefern die weiteren Bemühungen zur Freilassung etlicher Inhaftierter führen mögen, wird sich noch erweisen. Kein leichter Weg mit solch einem Despoten in der Türkei.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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Signale

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Wie erkenne ich dich wieder?
An deinem bunten Gefieder?
An deinem Muttermal?
Das wär ein Signal.

Dein Gesicht ist so rosig.
Hier in der Kapelle, frostig.
Dein Geruch bereits verweht.
Blumen erleichtern das Gebet.

Du findest mich bestimmt.
Weisheit deine Seele annimmt.
Du hast mir viel Trost gegeben,
das reicht für viele Leben.

Ich bin bei dir, nah, näher,
du sagst, wir sind Seelenspäher.
Wir erkennen uns im Dunkeln,
solange Seele ins Weite versunken.

Riechen die Blumen nicht köstlich?
Ihre Vielfalt ist unerschöpflich.
Derselbe Gedanke, dasselbe Gefühl,
sie finden sich wieder in jedem Gewühl.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Wirtschaftspolitik stets dem Konsum verpflichtet

Chancen auf Änderung in Sichtweite?

Selbstverständlich geht jeder Entwicklung eine daraus resultierende voraus, im Fluß der historischen Kette menschlichen Daseins muß die Frage gestellt werden, ob überhaupt die Möglichkeit besteht, Einfluß zu nehmen mittels gezielter Aktionen.

Keineswegs vermochten einzelne Wesen gänzlich den Verlauf der Weltpolitik erheblich bestimmen, dennoch manche Spuren ihres Wirkens uns alle nachhaltig betreffen. Wer die Wirtschaft analysiert, kommt nicht umhin, festzustellen, daß sie dem Konsum sich verpflichtet. Chancen auf Änderung in Sichtweite?

Ressourcen sind irgendwann erschöpft – was folgt danach?

Normalerweise läßt kein Mensch seine flache Hand auf heißer Herdplatte, doch die Gier eines nimmersatten Raubtierkapitalismus entspricht dieser Metapher, erst recht den Schmerz zu unterdrücken, den wiederum deren Untertanen erdulden müssen, Hauptsache unermeßlicher Reichtum darf angehäuft werden.

Trotzdem unterliegen Ressourcen einer Logik, sie nicht ewiglich sich genehmigen zu können, weil deren Vorräte irgendwann erschöpft. Vermögen weise Zukunftsvisionäre so weit vorausschauen, um entsprechende Maßnahmen einzuleiten? Klugheit wird sie durchaus fordern, doch die Verschwendungssucht im blinden Aktionismus superreicher Eliten lehrt uns eines Besseren: Menschliche Unvernunft ordent sich Zerstörungsgewalt unter.

Daher muß Erfindergeist die Lücken verschwindender, nie wieder nachwachsender Ressourcen schließen, damit der Konsumrausch sich fortsetzen darf. Daß ein Umdenken stattfindet im Sinne einer behutsam einsichtigen Absicht, muß jetzt schon mit Nachdruck bezweifelt werden. Seit wann lassen sich elitäre Menschen von ihrem Kurs der ewigen Ausbeutung abbringen? Die Geschichte der eindrucksvollen Ergebnisse, die immer in Zerstörung und Kriege mündeten, sollten uns viel wachsamer veranlassen, ab jetzt im Sinne des Erhaltes von Mutter Erde ihnen Einhalt zu gebieten! Das ist die wichtigste Erkennntnis, die nur noch der Umsetzung bedarf.

Von der Landflucht zu Megastädten bishin zu totalitären Maßnahmen

Wenn die Not dies erfordert, vermochten Menschen schon immer auf engstem Raum zusammenzuleben, war es früher in Höhlen, auf hoher See, im Flugzeugwrack in den Anden, in Kriegszeiten oder aber wie in Japans Megastadt Tokio-Yokohama, wo inzwischen über 36 Millionen Menschen leben.

Somit stellt Landflucht ohnehin ein Phänomen dar, welches nicht einfach in wenigen Sätzen erklärt werden kann. Meist sucht Mensch die Orte auf, wo Arbeit ihm gewährleistet wird. In urbanen Ballungsräumen siedeln sich oftmals Industrien an, findet gleichzeitig ein gigantisch anwachsender Dienstleistungssektor statt, folgt Mensch diesen Angeboten, um schlicht und ergreifend zu überleben.

Aber was geschieht mit all den Megastädten, wo das Leben pulsiert, neben viel Innovation, Gewalt und Zerfall sich Wege bahnen? Müssen wir am Ende feststellen, daß sich ständig alles nach dem Diktat einer Wirtschaftshegemonie richtet, die gleichzeitig den Lebenswandel bis ins kleinste Detail vorgibt? Es sieht ganz danach aus, wer denn gern ohne Scheu den Blick über den Tellerrand wagt. Der Kreis schließt sich, in dessen Innern der Konsum, – inzwischen dieser Begriff aufgrund eklatanter Verschwendungssucht längst negativ besetzt -, die Welt in Atem hält, sie zerstörerisch rücksichtslos ausbeutet. Es gilt dabei, jener Entwicklung entgegenzutreten, sie nicht weiter zuzulassen, bevor eine Abhängigkeit sich einschleicht, die totalitäre Maßnahmen entstehen läßt.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Nebendarsteller

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Er ist ein Nebendarsteller,
einer von vielen, aber kein stiller.
Manche haben ihn schon gesehen
im Kino, auf der Bühne, im Fernsehen.

Er ist die Leiche, ein Passant,
wenn’s sein muß auch der Elefant,
er ist die unauffällige Person,
er ist Astronaut, Gast, Fahrer, Postillon.

Der Schatten hinter dem Fenster,
einer der hilfreichen Gespenster,
er ist eins der Ornamente
für die Rahmenfundamente.

Von dem Job kann man nicht leben,
bei Amesh kann man Pizza bestellen.
Er ist Nebendarsteller beim Film,
zu Hause der Pizza Massala King.

Im Abspann wird sein Name kaum erwähnt,
sein Gesicht der ein oder andere kennt.
Er stählt seinen Körper im Fitnesstudio,
er fühlt sich klein, dem ist aber nicht so.

Ohne Nebendarsteller wäre Kino tot,
ein Lob für sie, für Amesh, tut not.
Das wäre eine Streicheleinheit,
ein Zeichen für ihre Unentbehrlichkeit.

Ich kenn ihn nicht, den Nebendarsteller,
den Pizzabäcker, den Lückenausfüller.
Trotzdem ist er mir irgendwie sympathisch,
vielleicht liegt es am Massala, denn das mag ich.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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